Pressebericht

Aargauer Zeitung
Jürg Nyffenegger

Ohrwürmer aus Oper und Operette

Das Konzert von Opera Brevis vom vergangenen Samstag kam beim Publikum gut an: Auf der Bühne stand neben den Solisten, Tenören und Sopranistinnen ein fast 30-köpfiger Chor.

«Jeder singe, wie er kann» - resigniert und den noch mit einer Portion guter Hoffnung sagt das der Kapellmeister in Lortzings Oper «Zar und Zimmermann» zu seinen Sängern in der Singschule. Das könnte auch das Motto des Konzertes der Gruppe Opera Brevis im alten Gemeindesaal Lenzburg gewesen sein. Dem Publikum machte es Spass, und das darf als Massstab durchaus Gültigkeit haben.

Ohrwürmer aus Oper und Operette

Das Programm, das Pianist und Bariton Erwin Heusser zusammengestellt hatte, folgte keinem eigentlichen Konzept, es sei denn, Chöre und Arien, die in jedem Radio-Wunschkonzert vor kommen, seien genug an Idee. Gerade das kann auch gefährlich sein, denn man vergleicht zu gern mit wohl bekannten Einspielungen oder gar mit Aufführungen in grossen Opernhäusern. Natürlich, mit dem Gefangenenchor aus Verdis «Nabucco», Ausschnitten aus der Zauberflöte, der «Traviatas oder dem «Land des Lächelns» erobert man ohne Risiken und Nebenwirkungen die Her zen des Publikums.

Vergnügliche Interpretationen

Auf der Bühne standen vier Solisten, der Te nor Daniel Zihlmann und die Sopranistinnen Monica Angelini und deren Tochter Larissa Augstburger sowie der Pianist und Bariton Erwin Heusser, der auch für die künstlerische Gesamtleitung verantwortlich zeichnete. Am Klavier wurde
Heusser teilweise und in gekonnter Manier von seinem Schüler Philipp Saner - mit bemerkenswerter Frisur - abgelöst. Dazu kam ein rund 30 köpfiger Chor.
Monica Angelinis Sopranstimme überzeugte, ebenso jene ihrer Tochter, die (leider nur) in einer Arie aus Mozarts «Don Giovanni» zu hören war ihr erster grosser Auftritt. Es lohnt sich, die künstlerische Entwicklung der jungen Larissa Augstburger mit grosser Aufmerksamkeit zu verfolgen, da ist ein beachtliches sängerisches Potenzial aus zumachen. Daniel Zihlmanns Welt ist jene der Operette, denn da kann er sein schauspielerisches Talent ausleben und sängerische Defizite wettmachen. Mitunter übertreibt er stimmlich, und der Jäger Max im «Freischütz» kam eher wütend denn verzweifelt daher. Die besten Momente hatte er in Kälmäns «Schwalbenduett» zusammen mit Monica Angelini und in Ausschnitten. aus dem «Zigeunerbaron» von Johann Strauss.

Leider war kein Orchester da. Pianist Erwin Heusser gab sich redlich Mühe, vor allem in den. Opernpartien die ganze Orchesterpartitur mit zu spielen, aber da gab es halt ab und zu gar viele ‚Töne. Erstand auch als Sänger auf der Bühne und entwickelte da so viel komödiantische Power, dass man ihm Intonationsprobleme gerne verzieh.
Ein vergnüglicher Abend mit zwei sehr guten Sopranistinnen, einem valablen Chor, einem zu wenig überzeugenden Tenor und zwei Pianisten, bei denen der jüngere den älteren klar überflügelte, 

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