Pressebericht

Davide
Limmatwelle
Barbara Scherer

Weder Hip-Hop noch Rap: Dieser Teenager singt Operetten

Der Würenloser Davide van Heerden ist der jüngste Sänger im Stück «Madame Pompadour» der Opera Brevis. Die Haare streng nach hinten gebunden, um den Hals baumeln Kopfhörer und die Jeans sind an den Knien zerrissen: Davide van Heerden spaziert mit lockerem Schritt über den Platz vor der alten katholischen Kirche in Würenlos.

Dass der 16-Jährige leidenschaftlich gerne Operetten singt, würde wohl niemand auf den ersten Blick denken. Doch: Der Teenager aus Würenlos wirkt als jüngster Sänger in der Produktion «Madame Pompadour» der Opera Brevis mit.

Singen gegen den Sprachfehler

«Ich habe schon als kleiner Junge gerne getanzt und gesungen», sagt Davide van Heerden und setzt sich auf die Holzbank neben dem Kirchengebäude. Von Kind auf sei die Musik sein ständiger Begleiter gewesen. Davide van Heerden tippt auf seine Kopfhörer und lächelt kurz.

«Zudem litt ich an einen schweren Sprachfehler und man wollte mich in die heilpädagogische Schule stecken, doch meine Mutter hat das verhindert», sagt Davide van Heerden in ernstem Ton.

Stattdessen begann er mit seiner Mutter zu singen und besuchte den Logopädieunterricht. Es klappte: Sein Sprachfehler verschwand langsam.

Er liebt italienische Arien

Mit sieben Jahren trat Davide van Heerden zum ersten Mal einem Chor bei. Dabei habe er schon damals eine Leidenschaft für die italienische Arie gehegt. «Das ist wohl mein italienisches Blut.» Davide van Heerden schmunzelt. Seine Mutter stammt aus Italien, der Vater aus Südafrika.

Er sei ein Nachzügler: Seine Brüder sind einige Jahre älter als er. Wobei die Passion für Musik nur seine Mutter in der Familie mit ihm teilt. «Aber meine ganze Familie unterstützt meine Leidenschaft für das Singen.»

So erhielt Davide van Heerden bereits als Kind Sologesangsunterricht. Denn Singen sei für ihn stets eine Möglichkeit gewesen, seinen Emotionen Ausdruck zu verleihen.

Die grosse Hürde: der Stimmbruch

Als die Familie vor rund acht Jahren von Veltheim nach Würenlos zog, begann der junge Sänger Unterricht bei Erwin Heusser, dem Gründer der Opera Brevis, zu nehmen. So kam es, dass er 2014 zum ersten Mal in einem Projekt der Opera Brevis mitwirken durfte.

Doch dann kam der Stimmbruch. «Davor hatte ich immer grossen Respekt. Ich hatte Angst, dass mir meine neue Stimme nicht gefällt», sagt Davide van Heerden und faltet bedächtig die Hände.

Plötzlich brach seine Stimme in hohen Tonlagen ab. Wie eine Verletzung habe es sich für ihn angefühlt. Obwohl sich der junge Sänger stets auf eine Tenor-Stimme gefreut habe. «Es war schwierig, meine neue Gesangsstimme zu finden.»

Noch heute merke er, dass die hohen Tonlagen anstrengender für ihn seien als vor dem Stimmbruch. «Mein Ziel ist es, das hohe C des Tenors zu erreichen.»

Als Haushofmeister auf der Bühne

Sein Ehrgeiz zahlt sich aus: Im Stück Madame Pompadour tritt Davide van Heerden in Wettingen und Möriken in der Rolle des Haushofmeisters auf die Bühne. An der Operette gefalle ihm die Mischung aus Gesang und Theater.

«Davide van Heerden ist voll engagiert bei den derzeitigen Endproben dabei und macht seine Sache sehr gut», sagt sein ehemaliger Gesangslehrer und Gründer der Opera Brevis, Erwin Heusser.

Und was sagen seine Freunde zu seinem Einsatz in der Operette? «Ich bin schon in der Schule immer wieder auf der Bühne gestanden, die wissen alle, dass ich gerne Opern habe», sagt Davide van Heerden mit einem Lächeln im Gesicht. Dumme Sprüche habe er sich deswegen nie anhören müssen.

Trotz seiner Leidenschaft für die Musik hat Davide van Heerden diesen Sommer eine Lehre als Automobilmechatroniker begonnen. «Ich möchte mir eine sichere berufliche Basis schaffen.» Später würde er aber gerne an die Musikhochschule gehen.

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